|
# 44
Ich denke an niemanden und bin verliebt. Ich bin verliebt in niemanden und niemand ist ganz nah. Ich denke an niemanden und niemand ist da. Meine Schmetterlinge sterben für niemanden und kleben ihren Staub an meine Netzhaut, benetzen sie mit ihrem Staub, machen meine Sicht staubig, so dass ich nichts mehr sehen kann, außer dem toten Staub, der da klebt, und diese zähe Sicht - blind für alles andere - nach Innen kehre. Sie sterben für niemanden und seufzen noch einmal, bevor sie mir alles Flattern und Ahnen in der Magengrube verschlacken lassen, und sie seufzen so laut, dass sie mir auch das letzte Aufatmen meiner Lunge einstauben, die nicht mehr atmen will, weil es zerrt und brennt und nässt vor Tränenstaub, wenn sie es doch tut, und schließlich auch noch das allerletzte Hoffen meines Herzens, das den Totenschmetterlingsstaub in alle meine Glieder pumpt und schließlich ganz leise wird, sich nicht mehr regt, sich in den Staub niederlegt, sich und mich und Alles aufgibt, weil es nicht mehr weiter kann. Weil meine Kondition nach 21 Jahren wirklich aufgebraucht ist und ich nicht mehr weiter kann. Ich liege im Staub meiner gestorbenen Innerlichkeit und habe Angst vor dem, was aus mir werden soll, wenn ich bis zum Ende hier weiter Staub sammle und mich nicht mehr aufraffen kann, als Staubfänger auf dem Dachboden in einer dunklen Kiste ende. Wenn ich nicht mehr hoch komme, aussortiert werde, verliere, dann endgültig. |
||
|
|
# 43
An Peter. An M. Vor allem an mich selbst. Ich kenne mich seit 21 Jahren. Ich kenne mich gut. Und auch dieses Gefühl. Das Flugzeug hebt wieder ab, die Sicht ist vernebelt, und da draußen gibt es immer noch die Mauern. Aber eine Sache ist diesmal anders: Ich habe meinen Kompass eingesteckt, der mich leiten wird, wenn alle Anzeigen versagen. Und ich habe große Hoffnung, größer als bei all den vielen Flugversuchen vorher, dass ich Land finden und landen werde. Das ich endlich ankommen und loslassen kann. Die besonders starke Sehnsucht nach einem Zuhause und das sichere Gefühl, dass es diesmal soweit ist, erfüllen mich mit einer Wärme und einem Drang, noch höher zu steigen, noch schneller zu fliegen, die ich so noch nicht kannte. Ich weiß nicht, woher die Sicherheit kommt – vielleicht von den vielen Flugstunden. Vielleicht auch vom neuen Glauben an mich selbst. Ich hoffe, ich kann jetzt endlich fliegen. Ich hoffe, ich darf jetzt endlich ankommen. (Der Motor meiner Sehnsucht dröhnt sehr laut und vibriert elektrisierend. Deshalb höre und fühle ich meine Angst vor einem Aufprall nur ein kleines bisschen – auch wenn ich zugeben muss, dass sie mit abgehoben ist.) |
||
|