letters
# 45

An Peter.

Ich verbrauche gerade alle die wenigen Kraftreserven, die ich noch habe, die ich in den hintersten Ecken meines Selbstzusammenhalts noch finden kann, nur deinetwegen in enorm hoher Geschwindigkeit. Nicht weniger als die Kohärenz meines Wesens hängt daran. Ich muss alles dafür tun, nicht noch mehr und nicht noch traurigere Briefe an dich schreiben zu müssen. Es darf gar nicht sein und ich möchte es nicht. Aber weder die Melancholie noch die tiefe Depression haben je angeklopft und gefragt, ob sie reinkommen dürfen. Sie haben sich einfach auf meinen Platz gesetzt.

Es ist doch lediglich meine Verzweiflung und Einsamkeit, die dich mein Opfer und so mich dein Opfer werden lassen, oder?. Sie spielen ein gemeines Spiel mit meiner seelischen Gesundheit als Wetteinsatz. Ich schnappe doch schon nach Luft. Hängt es zusammen? Sucht sich mein inneres Immunsystem einen Ausweg, der nichts anderes sein kann, als der nächste parasitäre Niedergang?

Wenn ich also irgendwann zu schwach werde, dann weiß ich schon, dass es keinen anderen Weg gibt, als zu verlieren. Und dann? Und dann?
Wo noch Kraft finden, welche Ecken suchen?



Hey. Bleib hier.
Ich bezahl den Preis dafür.
Hey. Dann bleib doch hier.
[Cäthe Sieland]
8.2.12 10:57


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# 44

Ich denke an niemanden und bin verliebt. Ich bin verliebt in niemanden und niemand ist ganz nah. Ich denke an niemanden und niemand ist da.

Meine Schmetterlinge sterben für niemanden und kleben ihren Staub an meine Netzhaut, benetzen sie mit ihrem Staub, machen meine Sicht staubig, so dass ich nichts mehr sehen kann, außer dem toten Staub, der da klebt, und diese zähe Sicht - blind für alles andere - nach Innen kehre. Sie sterben für niemanden und seufzen noch einmal, bevor sie mir alles Flattern und Ahnen in der Magengrube verschlacken lassen, und sie seufzen so laut, dass sie mir auch das letzte Aufatmen meiner Lunge einstauben, die nicht mehr atmen will, weil es zerrt und brennt und nässt vor Tränenstaub, wenn sie es doch tut, und schließlich auch noch das allerletzte Hoffen meines Herzens, das den Totenschmetterlingsstaub in alle meine Glieder pumpt und schließlich ganz leise wird, sich nicht mehr regt, sich in den Staub niederlegt, sich und mich und Alles aufgibt, weil es nicht mehr weiter kann. Weil meine Kondition nach 21 Jahren wirklich aufgebraucht ist und ich nicht mehr weiter kann.

Ich liege im Staub meiner gestorbenen Innerlichkeit und habe Angst vor dem, was aus mir werden soll, wenn ich bis zum Ende hier weiter Staub sammle und mich nicht mehr aufraffen kann, als Staubfänger auf dem Dachboden in einer dunklen Kiste ende. Wenn ich nicht mehr hoch komme, aussortiert werde, verliere, dann endgültig.
26.9.11 22:41


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